Limar Fiona

Heute ist Fiona Limar bei mir zu Gast.

1. Erzähle kurz über dich

👩 Geboren wurde ich in einem geschichtsträchtigen Ort in Sachsen-Anhalt,
dort bin ich auch aufgewachsen und zur Schule gegangen, um danach in Jena Psychologie zu studieren. Den Beruf der Psychologin und Psychotherapeutin habe ich gern ausgeübt. Über zehn Jahre war ich in der
Forschung tätig, habe später sowohl mit Erwachsenen, als auch mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Zu Hause bin ich inzwischen am Rande von Berlin, wo ich mit meiner Großfamilie und mehreren Katzen auf
einem Bauernhof lebe. Ich liebe die Natur und alles, was auf vier Pfoten daherkommt, ist automatisch mein Freund. Nie könnte ich in einem Krimi schildern, wie ein Tier gequält oder umgebracht wird, da verläuft für mich die absolute Schmerzgrenze.

2. Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?

👩 Durch meinen Beruf war ich zwangsläufig schon immer von der schreibenden Zunft. Ich habe an mehreren Fachbüchern mitgeschrieben, populärwissenschaftliche Bücher veröffentlicht (unter anderem über die
psychologische Bedeutung von Märchen) und viele Zeitschriftenartikel verfasst. Zum Hobby machte ich das Schreiben erst vor gut fünfJahren.
Auslöser war eine Veränderung in meiner persönlichen Lebenssituation, durch einen Pflegefall in der Familie konnte ich meinen Beruf nicht mehr wie bisher ausüben. Das Schreiben ist ein guter Ausgleich in schwierigen Lebenssituationen, es kann wenigstens zeitweise von anderen Sorgen
ablenken. Inzwischen fehlt mir etwas, wenn ich nicht an einem Buch arbeiten kann

3.Weshalb schreibst du unter dem Pseudonym Fiona Limar?

👩 Für meine Krimis habe ich ein Pseudonym gewählt, weil ich anderweitig unter meinem richtigen Namen tätig gewesen war. Ich wollte die Dinge auseinanderhalten.

4. Gerade ist das Buch „Die Toten vom See“ erschienen. Man spürt den psychologischen Touch in dem Buch. Kommt dir da zugute, dass du Psychologin und Psychotherapeutin bist?

👩 Unbedingt. Ursprünglich wollte ich überhaupt keine Krimis schreiben, sondern Bücher über psychologische Themen. Doch dann habe ich schnell begriffen, dass der Krimi ein gutes Medium ist, um solche Themen locker und interessant zu vermitteln. Und so geht es in all meinen Büchern neben dem eigentlichen Kriminalfall immer in erster Linie um die Abgründe der menschlichen Seele, um pathologische Familienstrukturen, seltene psychische Störungen, um typische Psychopathen und um ganz normale Menschen, die durch ihre Lebensumstände zum Äußersten getrieben werden. Den Weg dorthin nachzuzeichnen, zu erklären, was in den Menschen vorgeht, finde ich spannend. Ich kann nur hoffen, meine Leser finden das
auch.

5. Wie bereitest du dich auf deine Geschichten vor? Was war die bisher aufwendigste Vorbereitung?

👩 Das lässt sich gar nicht so einfach sagen. Sehr viel Erfahrungen schöpfe ich aus meiner beruflichen Tätigkeit, in deren Verlauf ich mit einer Unmenge an tragischen Schicksalen konfrontiert war. Mit allen habe ich gesprochen, mit Menschen, die unter diversen Ängsten litten, mit Missbrauchsopfern und mit solchen, die einen Familienangehörigen durch
eine Straftat verloren hatten. Auch die Täter haben mir gegenüber gesessen, die Stalker, die sich in ihrer Wahnidee verfangen hatten, die
Pädophilen, die unter ihrer Veranlagung litten und diejenigen, die krude Rechtfertigungen für ihre Übergriffe auf Kinder vorbrachten. Ich habe Männer kennengelernt, die ihre Aggressionen nicht unter Kontrolle
bekamen, und Frauen, die sich für die ihnen zugefügte Gewalt auch noch schämten. Auf all das kann ich beim Schreiben leicht zurückgreifen, es findet – natürlich in stark verfremdeter Form -Eingang in meine Bücher.
Dafür muss ich nicht recherchieren. Den wesentlich größeren Rechercheaufwand verlangt mir die Darstellung der polizeilichen
Ermittlungsarbeit ab. Dafür kontaktiere ich dann auch schon mal die Pressestellen der zuständigen Polizeidirektionen. Doch nach und nach entsteht auch hier ein Archiv und ein Grundstock an Wissen, auf den ich immer wieder zurückgreifen kann. Die aufwendigste Recherche war eventuell die für“Henkersbraut“, den Krimi, den ich in meinem Geburtsort Bad Salzelmen angesiedelt habe. Dort gibt es das
deutschlandweit umfangreichste Archiv der Hexenprozesse, die dort stattgefunden haben, darunter den tragischen Fall eines 13jährigen
Mädchens, das als Hexe verbrannt wurde. Ich wollte unbedingt darüber schreiben, die Historie mit einem aktuellen Kriminalfall verbinden, um zu zeigen, dass die Muster der Denunziation immer die gleichen geblieben
sind. Dafür habe ich sehr viel über die historischen Fälle gelesen.

6. Wie bekommen die Protagonisten ihre Namen und steckt vielleicht eine
Bedeutung dahinter?

👩 Die Psychologin Iris Forster, die Hauptfigur meiner vierbändigen Reihe, trägt einen Blumennamen, als Ausdruck meiner Liebe zur Natur. Die Iris ist eine meiner Lieblingsblumen und den Nachnamen Forster trug ein berühmter Staudengärtner. Nicht bei allen meinen Figuren kann ich die Namenswahl so genau erklären, manchmal treffe ich sieeinfach aus dem Bauch heraus.

7. Welches deiner Bücher ist dein Lieblingsbuch?

👩 Immer das Buch, an dem ich gerade schreibe, denn ich muss ihm meine
ganze Aufmerksamkeit widmen.

8. Hast du Zeit zum Lesen und was liest du am liebsten? Hast du einen Lieblingsautor?

👩 Ich lese sehr gern und viel, leider ist die Lesezeit immer zu knapp bemessen. Häufig lese ich historische Romane und Biografien. Krimis dagegen lese ich so gut wie überhaupt nicht, dafür aber sehr viel über reale Kriminalfälle und Rechtsmedizin. Rechtsmedizin war mein Studienwunsch, bevor ich die nie bereute Entscheidung für die
Psychologie traf, das Interesse daran blieb bei mir trotzdem bestehen.
Und natürlich lese ich alles, was mein Fach betrifft. Mein Lieblingsautor ist der großartige amerikanische Psychotherapeut Irvin
Yalom, der neben fachlichen Publikationen eine ganze Reihe von Erzählungen und Romanen verfasst hat, die sich alle um die
Psychotherapie drehen. Er schafft es, informativ und gleichzeitig fesselnd zu schreiben.

9. Welche sonstigen Interessen hast du?

👩 Ich interessiere mich sehr für die Natur, für Pflanzen und für Tiere.
Wenn es die Zeit erlaubt, betätige ich mich in meinem naturnah gestalteten Garten. Ich mag auch handwerkliche Tätigkeiten und bastele
gern. Historische Puppenstuben haben es mir angetan, gern stöbere ich auf Trödelmärkten nach verwendbaren Bauteilen, die ruhig sehr kaputt sein dürfen. Ich kriege das schon wieder hin. Soll ich mal was zeigen?
Vielleicht meine Miniaturbibliothek?

10. Welche Wünsche hast du für die Zukunft? Können wir bald mit einem neuen Buch von dir rechnen?

👩 Mein größter Wunsch ist der nach Gesundheit, vor allem auch für all meine Lieben. Alles andere ist zweitrangig. An meinem neuen Buch schreibe ich bereits eifrig und hoffe es im Frühjahr (März/April) herausbringen zu können.

Ich bedanke mich ganz herzlich für dieses informative Interview und wünsche Dir alles Gute.

Dieses Interview habe ich mit Fiona Limar in 2018 durchgeführt

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