Buchvorstellung Sonja Roos Eine grenzenlose Welt Aufbruch
Hamburg 1892: Während eine Choleraepidemie in der Stadt wütet, verlassen die junge Marga und ihre Cousine Rosie ihre Heimat für immer. Auf einem Auswandererschiff wagen sie die Fahrt nach Amerika in der Hoffnung auf ein Leben fern von Not und Armut. Während der langen Reise schließen die beiden Freundschaft mit zwei jungen Männern, Simon und Nando, die wie sie auf ein besseres Los in der Neuen Welt hoffen. Die vier beschließen, gemeinsam in New York das Glück zu suchen. Doch dann kommen Rosie und Simon einander näher. Ihre aufkeimende Liebe, aber auch dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit treiben einen Keil zwischen die Freunde, und die Gruppe droht schon bald nach der Ankunft zu zerbrechen
Die Jüdin Margot und ihre Eltern verbringen viel Zeit in ihrem Ferienhaus in der Eifel und Margot schließt tiefe Freundschaften mit Elli und Käthe. Die Freundinnen genießen einen Sommertag im Jahr 1933, doch die Unruhen beginnen bereits. Margot ist die Erste, die heiratet, und als ihre Briefe ausbleiben, macht sich Elli große Sorgen. Kurz vor Kriegsbeginn kommt es zu ersten Rissen in der Freundschaft, denn Käthe schließt sich den Nationalsozialisten an. Margot und ihre Familie kommen in Gefangenschaft und Elli will ihnen helfen.
Elli hat es nicht leicht, denn ihr Bein macht ihr zeitlebens zu schaffen. Sie findet endlich eine Beschäftigung als Kinderbetreuerin, aber als sie dahinterkommt, was deren Mütter für Fragebögen ausfüllen müssen, ist sie völlig geschockt. Als sie nichts mehr von Margot hört, macht sie sich trotz ihrer Behinderung auf die beschwerliche Reise zu ihrer Freundin und was sie da erlebt, lässt sie verzweifeln. Elli ist stark und ihre Entwicklung hat mich sehr beeindruckt. Sie wächst über sich hinaus. Es sind nicht nur Margot und ihre Eltern, die Schreckliches erleiden. Die Schrecken des Krieges sind überall.
Fazit: Dies ist eine bildgewaltige, emotionale, tiefgründige und bewegende Zeitgeschichte, die unter die Haut geht. Was mich sehr beeindruckt hat, waren die Fluchthelfer, die mit ihrem Mut, Entschlossenheit und ihrer Risikobereitschaft den Flüchtigen über die Grenzen geholfen haben. Diesen Leuten kann nicht genug gedankt werden. Dies ist mein erster Roman der Autorin und bestimmt nicht mein letzter. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und ⭐⭐⭐⭐⭐
Buchvorstellung Elke Becker Das Haus Kölln Große Hoffnung
Elmshorn 1912: Mit der Erfindung der Haferflocke hat Bertha Kölln Großes vollbracht. Unermüdlich hat ihre Familie daran gearbeitet, die neue Zutat massentauglich herzustellen. Da greift schließlich der Erste Weltkrieg nach dem verschlafenen kleinen Ort bei Hamburg und damit auch nach den Köllns. Doch die lassen sich weder von dieser Bedrohung noch von zahlreichen Unglücken in der Hafermühle unterkriegen. Als mit Else Voormann eine junge Frau aus Künstlerkreisen in die Unternehmerfamilie einheiratet, haben es beide Seiten nicht leicht: Ihr Mann Peter Claus Diedrich versteht die selbstbewusste, entschiedene Else nicht – Else wiederum traut ihrem Mann nicht über den Weg, verbringt er doch arg viel Zeit mit einer hübschen Schneiderin. Wieder heißt es für zwei sehr unterschiedliche Frauen: gegen- oder miteinander?
Borkum 1888: Gerade einmal 15 Jahre alt ist Hermine Flessner, als man sie als Saisonkraft auf die Insel schickt. Sie soll ihre Familie in Leer finanziell unterstützen und wird vom Seniorchef im Hotel Bakker angestellt. Willem Bakker lernt Hermines Loyalität zu schätzen. Doch die Anwesenheit der jungen Frau ist einigen Familienmitgliedern ein Dorn im Auge. Ungewollt gerät sie zwischen die Fronten der Streitereien um Liebe, Geld und Macht. Dass Willem seine schützende Hand über Hermine hält, sorgt zusätzlich für Unmut. Auch sein Plan, ein Grundstück für ein neues Hotel direkt am Strand zu erwerben, gefällt den Nachfahren des alten Bakker nicht. Sie verfolgen eigene Interessen und fürchten, dass sich der Senior übernimmt. Aber Willem hat sich längst bei der Gemeinde um das Grundstück beworben, wie die meisten anderen Borkumer Hoteliers. Jeder möchte das Sahnestück für sich und arbeitet mit allen Mitteln. Keine List, kein Risiko scheint zu groß, um bei der Ausschreibung das Rennen zu machen. Doch dann setzt Bakker Hermine ein, um seine Mitbewerber auszuspionieren und ihnen etwas vorzugaukeln. Damit gerät sie in das Visier weiterer Feinde.
Meine Rezension zu Lucinde Hutzenlaub In Liebe, Paula
Paula wächst mit ihren drei Brüdern in Gablenberg bei Stuttgart auf. Ihre Mutter besitzt einen kleinen Milchladen, doch Paula lässt ihre Sehnsucht in die Ferne nicht los. Sie schreibt ihrem Nachbarn, der in die USA ausgewandert ist und von da ab ist es ein Leichtes für sie in dieses ferne Land zu reisen. Sie lernt Norman kennen und findet Arbeit als Kindermädchen für eine wohlhabende Familie. Nicht nur die Kinder wachsen ihr ans Herz, sondern auch Norman. Doch das Schicksal schlägt grausam zu. Linda findet auf dem Dachboden ihrer Mutter Esther einen Koffer mit Briefen und anderen Dingen und ist voller Fragen. Esther hat eine Vergangenheit, von der ihre Tochter keine Ahnung hat, und sie weiß, dass sie sich endlich damit auseinandersetzen muss.
Was für eine schöne, emotionale und traurige Geschichte. Es geht vor allem um Paula, die 1932 in Amerika ihr Glück sucht. Als Kindermädchen findet sie Erfüllung und liebt die Kinder wie ihre eigenen. Und mit Norman findet sie ihr Glück. Doch dies währt nicht lange. Über drei Generationen wird hier erzählt, in denen Paula den meisten Raum einnimmt. Linda findet einen Koffer voller Briefe und hat viele Fragen. Esther erzählt zunächst zögerlich. Ich war sehr berührt von dem Drama, das sich hier abspielte. Dabei spielen Macht, guter Ruf und Prestige eine große Rolle. Das Wohl anderer wird mit Füßen getreten. Ich fand es hervorragend, wie die Autorin die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft hat. Die Briefe sind sehr aussagekräftig und haben mich beeindruckt.
Fazit: Dieser Roman hat einen Bezug zu einer wahren Geschichte und macht das Ganze viel eindrucksvoller. Leid, Schmerz sowie Macht stehen hier im Vordergrund, aber auch Liebe und Leid. Es zeigt sich, dass Aussprachen sehr wichtig sind. Viele verpasste Chancen sprechen für sich. Der angenehme Schreibstil hat mich nur so durch die Zeilen gleiten lassen. Ich hätte mir hier durchaus eine Trilogie vorstellen können. Von mir gibt es eine absolute Lesempfehlung und ⭐⭐⭐⭐⭐
Marie Pierre Töchter des Aufbruchs Das Pensionat an der Mosel
Reichsland Elsaß-Lothringen 1910: Im mittelalterlichen Moselstädtchen Diedenhofen führt die junge Lehrerin Pauline Martin inmitten einer bunt gemischten Bevölkerung aus Deutschen und Franzosen ein Pensionat für höhere Töchter, die sie zu eigenständigen und selbstbewussten Frauen erziehen will. Als ihr neuester Schützling Suzette sich heimlich mit einem Soldaten trifft und kurz darauf spurlos verschwindet, bittet Pauline den preußischen Hauptmann Erich von Pliesnitz um Hilfe. Ihre enge Zusammenarbeit droht, die strengen Konventionen der Kaiserzeit zu sprengen. Und dann ist da noch Paulines neuer Gärtner Vincent, der ein dunkles Geheimnis hütet. Kann Pauline Suzette finden und den guten Ruf ihres Pensionats bewahren?
Heute möchte ich euch die sehr sympathische Autorin Maria W. Peter vorstellen. Vielen Dank, dass Du heute mein Gast bist.
Autorenvita – Marie Pierre („Das Pensionat an der Mosel“)
Marie Pierre ist im Spannungsfeld der deutsch-französischen Grenzregion aufgewachsen. Ihre Studienzeit in Metz sowie die Geschichte ihrer Familie, die sich über Deutschland, Frankreich und Luxemburg erstreckt, inspirierten sie dazu, sich intensiv mit der Vergangenheit zu befassen. Besonders Lothringen ist sie sehr verbunden. Unter dem Namen Maria W. Peter schreibt sie historische Romane und Theaterstücke, von der Römerzeit bis hin ins 19. Jahrhundert, für die sie unter anderem mit dem Literaturpreis „Homer“ ausgezeichnet wurde. Vielleicht war das Leben ihrer Großtante, die in der Zwischenkriegszeit ein Mädchenpensionat im lothringischen Bouzonville besuchte, der zündende Funke zu ihrer aktuellen Reihe.
Buchvorstellung Lucinde Hutzenlaub In Liebe, Paula
Als Esther den Dachboden ihres Einfamilienhauses in Stuttgart ausmistet, fällt ihr der elegante Fuchspelzmantel ihrer Mutter Paula in die Hände. Und mit einem Mal sind all die schmerzhaften Erinnerungen wieder da, denn der Mantel hat eine lange Geschichte: Er stammt aus Paulas Jahren als Kindermädchen bei einer der reichsten Familien New Yorks. Esther weiß, wie sehr ihre Mutter das Leben in der pulsierenden Metropole der Dreißigerjahre liebte, die Jazzclubs und die Spaziergänge im Central Park – und einen jungen Anwalt namens Norman. Doch der Mantel erinnert Esther auch an all die Geheimnisse, an den schrecklichen Verrat und schließlich an Paulas plötzliches Verschwinden. Und sie weiß, dass es nun endlich an der Zeit ist, sich auf die Suche zu machen nach jener großen Lebensliebe, die das Schicksal ihrer Familie für immer veränderte
Drei junge Frauen. Ein Schwur. Wie stark ist eine Freundschaft?
Sie glaubten, die Welt stünde ihnen offen: Die drei Freundinnen Elli, Margot und Käthe werden mit Beginn der NS-Zeit mit der Schule fertig. Im malerischen Tal der Eifel, in dem sie zu Hause sind, muss die Jüdin Margot bald um ihr Leben und das ihrer Familie fürchten. Käthe wird zur überzeugten Nationalsozialistin. Die Halbwaise Elli muss sich entscheiden: Wählt sie die Liebe oder folgt sie ihrem Gewissen?
Nach dem Tod ihres Mannes betreibt Marthe Haller allein mit ihren Töchtern Herta, Frieda und Ida einen Dorfladen in Dingelbach, nahe Frankfurt. Sie hat es nicht ganz einfach mit ihren unterschiedlichen Töchtern. Herta macht sich im Laden unentbehrlich, während Frieda unbedingt in Frankfurt auf die Theaterschule gehen möchte. Ida ist ein Wildfang und um keine Ausrede verlegen. Im Dorf lebt auch Helga Schütz, die unglücklich verheiratet ist und eine schreckliche Schwiegermutter hat. Auch die Fabrikantin Ilse Küpper geht ungewöhnliche Wege zum Erhalt ihrer Firma.
Was für ein schöner Auftakt. Hier greifen mehrere Dorfgeschichten ineinander. Im Mittelpunkt steht die Familie Haller mit ihrem Dorfladen. Dort trifft man sich nicht nur zum Einkaufen, sondern tauscht sich auch über die neuesten Nachrichten aus. Herta ist die ältere Schwester und sehr fleißig, ganz im Gegensatz zu ihren Schwestern. Frieda und Ida setzen sich durch und gehen ungewöhnliche Wege zu der damaligen Zeit. Eine Frau sollte heiraten und keine Verantwortung für ihr Leben übernehmen. Helgas Schicksal hat mich sehr berührt. Otto, ihr Mann und ihre Schwiegermutter machen ihr das Leben schwer. Die Fabrikantin Ilse Köpper übernimmt die Stockschirmfirma, doch es läuft nicht gut. Man muss investieren und Banken stehen Krediten skeptisch gegenüber. Eine Frau kann doch kein Unternehmen führen. Besonders gut hat mir gefallen, wie das Dorf in Zeiten der Not zusammenhält und sich dabei auch über Sitten und Gebräuche hinwegsetzt.
Fazit: Dies ist mein erstes Buch der Autorin und hat mich äußerst gut unterhalten. Es war eine Reise ins Jahr 1920 eines Dorfes und erzählt mehrere Geschichten über die Bewohner. Die einzelnen Schicksale gingen mir nahe. Starke Frauen sind hier im Vordergrund, aber auch Traditionen stehen im Fokus. Ich war beeindruckt von der bildlichen Sprache und den sympathischen und starken Charakteren. Ich freue mich jetzt schon auf die Fortsetzung. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und ⭐⭐⭐⭐⭐